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Schlagwort: Data Breakthrough

Streamsmart handeln?!

Die Welt kannte bisher Booksmarts und Streetsmarts. Was aber sind Streamsmarts? Und wie kann man ein Streamsmart werden? Ist das überhaupt erstrebenswert?

Dies ist der Auftaktartikel für das Blogprojekt generation-streamsmart (Mehr über das Projekt erfährt man auf der About-Seite). Die gedanklichen Hintergründe zum Projekt habe ich zum Start des neuen Blogs in sechs Kapiteln versucht zu beschreiben. (Das Projekt wurde inzwischen wieder beerdigt ;-)). Der Text steht in verschiedenen Format zur Verfügung und steht unter einer freien Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0), d.h. er kann frei weiterverwendet und vielfältig bearbeitet werden (Stichwort: Remix). Kritische Kommentare gerne gesehen!

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Der Data Breakthrough: Wie stellt man sich als Student*in im Netz dar, um Berufschancen zu verbessern?

Dass Arbeitgeber*innen gerne auch mal ihre Bewerber*innen in den Sozialen Netzwerken suchen, ist für euch sicher keine neue Info. Sollte man deshalb sicherheitshalber alle Internetprofile auf privat stellen, möglichst nicht bei Google auftauchen und auch in halböffentlichen Facebook-Gruppen oder auf Facebook-Seiten nur unkontroverse Beiträge posten, weil man diese auch via Google Suche sehr einfach finden kann wie Benedikt Geyer im Video zeigt? Alle Schotten professionell dicht machen also? Oder greift diese Strategie zu kurz?

Man bewirbt sich doch als reale Person und nicht mit seiner „Netzidentität“?

Als Master-Student denke natürlich auch ich öfter über Berufsperspektiven und die Zukunft nach – vielleicht geht euch das auch so, je nachdem in welcher wissenschaftlichen Disziplin ihr gerade unterwegs seid. Eine große Rolle spielt dabei zumindest für mich auch die Frage, wie man sich eigentlich darstellt und positioniert im Netz – an meinem Beispiel: Bin ich ein klassischer Medienpädagoge? Oder eher Bachelor of Arts der Medienbildung, was heraussticht aber was keiner genau kennt?  Was twittere ich öffentlich, was lieber nicht? Welche Fragen poste ich in Facebook-Gruppe zu wissenschaftlichen Themen oder in regionale Gruppen? Auf welchen Online-Plattformen und Sozialen Netzwerke will ich aktiv und öffentlich sichtbar sein? Welche kritischen Kommentare hinterlasse ich unter einem Online-Artikel? Und welche studentischen Hausarbeiten, Vorträge oder Videos von mir veröffentliche ich? Warum mache ich mir darüber eigentlich Gedanken?

Eigentlich könnte mir das ziemlich egal sein, weil ich mich ja mit meiner Bewerbungsmappe, meinem persönlichen Auftreten oder meiner Perfomance im Assesment Center bei Unternehmen bewerbe später – oder etwa nicht? Vielleicht checkt die Personalabteilung noch mein öffentliches Profil auf Facebook ab, um zu sehen, ob ich Partybilder veröffentliche oder Haftbefehlvideos poste – grüner Haken dran und das war es.
Was ist aber, wenn diese Unternehmen mit Dienstleistern zusammenarbeiten, die Social Media oder Internetanalysen anbieten wie es jetzt schon bei Kreditvergaben online  geschieht? Algorithmen, die dann im Vorfeld mitentscheiden anhand meiner Onlineprofile und einer Vielzahl von Faktoren, ob ich in das Unternehmen passe oder nicht? Eine Analyse, die weit über die einzelne Personalerin hinausgeht, die einfach meinen Namen bei Facebook und Google eintippt? Welches Verhalten im Netz erhöht dann meine Chancen, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden? Und welches Verhalten wirkt sich eher negativ aus?

Sicherheitshalber alle Schotten dicht machen?

Spontan würde man jetzt vielleicht so reagieren : „Dann stelle ich sicherheitshalber gar nichts von mir ins Netz und habe nur private, geschlossene Profile – wenn überhaupt!“. Dieses Konzept wird auch als Datensparsamkeit bezeichnet und nach meinem Gefühl das in Deutschland favorisierte Konzept im Umgang mit persönlichen Daten, vor allem an Hochschulen und bei den meisten Studierenden. Die Verantwortung liegt vorrangig bei der einzelnen Person in der Nutzung.
Leider greift dieser spontane Gedanke zu kurz, da es ebenso umgekehrt Vorteile geben kann, die mir verschlossen bleiben können: Was ist, wenn das Nichtauffinden auf Plattformen mir bereits einen Job verwehrt? Was ist, wenn bestimmte Unternehmen nur noch auf LinkedIn oder XING nach passenden Bewerber*innen suchen? Oder junge Absolvierende, die mit einem offenen Auftreten nach Außen auffallen, bereits einen Blog betreiben, in wissenschaftlichen Facebook-Grupen aktiv sind oder ein Profil bei Researchgate oder Academia haben? Oder wenn kleine Unternehmen einfach online nach Spezialist*innen für ein Nischenthema suchen und mich über meine Webseite oder meine veröffentlichten Inhalte auf studierendenwissen.de finden könnten, weil ich dazu schon unzählige Seminararbeiten gemacht habe – nur keiner außer meiner Professor*innen davon weiß? Und twittere ich gerade vielleicht schon mit meinem zukünftigen Arbeitgeber oder meiner zukünftigen Arbeitgeberin, wenn ich jetzt einen Tweet mit einer Rückfrage oder Anmerkung sende und auf dem Radar auftauche?
Kurz: Wie werden Personen oder Unternehmen auf mich aufmerksam bzw. was erfahren sie über mich im Netz, ohne mich persönlich zu kennen? Und wie werde ich umgekehrt auf sie aufmerksam und wie vernetze ich mich?

Alle Schotten dicht = mögliche Vorteile Adé!

Datensparsamkeit bedeutet auch, dass man sich möglichen Vorteilen komplett verschließt und unsichtbar bleibt. Was meine ich damit genau?

Ein kleines, persönliches Beispiel: In einem Seminar haben meine Mitstudierende Judith und ich im Online-Kurs Changemaker-MOOC mitgemacht und eine Projektidee für möglichst barrierearme Kochvideos entworfen für Menschen mit geistiger Behinderung („Jetzt kochst DU!“). Durch einen Artikel, den ich auf meinem Blog geteilt habe, sind mehrere Monate später die Organisatorinnen der digilog16-Fachtagung in Köln auf uns zugekommen, weil sie nach Referent*innen für Erklärvideos im sozialen Kontext gegoogelt haben und unseren Blogartikel gefunden haben. Um die Zahlen in den richtigen Kontext zu setzen: Laut Statistiktool haben den Beitrag ganze 15(!), ich wiederhole lausige 15(!) Personen angeklickt und unsere Videos auf Youtube wurden insgesamt 80 Mal abgespielt. Dabei vermutlich größtenteils von uns selber, um es Freunden zu zeigen. 😉 Von einem viralen Erfolg kann man hier also nicht sprechen und doch sind wir nun Referent*innen – weil wir auffindbar waren im Netz.

Jetzt kochst DU!

Dieses Beispiel basiert noch sehr auf menschlicher Analyse sowie Entscheidung – und doch spielt schon der Google Suchmaschinenalgorithmus eine Rolle, ohne welchen der nicht sehr verbreitete Artikel nicht gefunden worden wäre.

Was also tun?

Vielleicht erwartet ihr jetzt eine Handlungsempfehlung für den perfekten Auftritt im Netz, um die Chancen für den Berufseinstieg zu erhöhen? Hierbei muss ich euch leider (vorerst) enttäuschen: Ich habe derzeit keine allgemeingültige Antwort. In einem aktuellen Textentwurf habe ich mich aber mit dem persönlichen Dilemma und der großen Herausforderung beschäftigt, dass in Zeiten flächendeckender Datenanalysen (z.B. Big Data, Machine Learning, Künstliche Intelligenz) die Konsequenzen für die einzelne Person nicht mehr kalkulierbar sind und somit Fragen nach der Positionierung im Netz extrem schwer abzuwägen sind. Der große Unterschied in Zukunft ist nämlich: Statt der einzelnen Personalerin, die die Bewerbungen einzeln durchgeht, übernehmen nun Algorithmen das Filtern von Bewerber*innen, treffen eine Vorauswahl oder Einschätzungen zu Personen – am Auswahlprozess können trotzdem noch Menschen beteiligt sein, aber die Datenanalyse als Entscheidungsgrundlage in allen Lebensbereichen nimmt stetig zu.

Warum finden diese Debatten an Hochschulen wenig statt? Um es ganz hart zu sagen: Für viele Personen, die bereits fest im Berufsleben oder an der Hochschule sind und ihren Platz gefunden haben, mag diese ganze Debatte nebensächlich erscheinen. Diese Personen können sich Datensparsamkeit leisten, können öffentlich darauf pochen und es als Leitline vorgeben und sogar aktiv vorleben. Auch für Personen, die über Vitamin B in das Berufsleben kommen, spielt es wohl weniger eine Rolle. Es hat für diesen priviligierten Personenkreis in absehbarer Zeit nämlich keine negativen Konsequenzen mehr – zumindest ist das die Hoffnung dahinter.
Für Studierende ist die Auseinandersetzung damit meiner Ansicht nach aber umso wichtiger, weil ich als Studierender eben nicht aus dieser priviligierten Perspektive argumentieren kann. Das alles habe ich versucht im folgenden Text etwas aufzuschlüsseln am Beispiel der Medienpädagogik:

Ich freue mich auf Kommentare – korrigiert mich gerne, wenn ich in einigen Punkten falsch liege 🙂

Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel (Text) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Name der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch für studieren.digital. Urheberrechtliche Angaben zu Grafiken, Videos oder anderen verwendeten Inhalten finden sich direkt bei den jeweiligen Inhalten. Titelbild des Beitrags: Foto von 50Hertz/Pixabay (CC0 Lizenz).
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