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Eure Präsentationen und Hausarbeiten sind für die Tonne? (#COER16 startet)

Schweiß, Tränen und viele Nachtschichten habt ihr in eure Seminarpräsentationen und Hausarbeiten investiert. Danach haltet ihr einen Vortrag für wenige Mitstudierende oder die Hausarbeit wird vom Dozierenden gelesen – im besten aller Falle sehr ausführlich, im schlechtesten Fall wird sie nur überflogen. Und danach fliegt das Ding in die Tonne, obwohl ihr das Gefühl habt, dass auch noch andere Studierende von dem erarbeiteten Wissen profitieren könnten? Falls euch das bekannt vorkommt, solltet ihr jetzt weiterlesen!

Eigene Arbeiten befreien und im Netz veröffentlichen? Hallo, Urheberrecht!

Grundsätzlich gilt: Für jedes Werk (Text, Foto, Video, etc.), welches ihr selber erstellt, seid ihr der*die Urheber*in. Somit könntet ihr eigene Arbeit einfach im Internet veröffentlichen – wenn da nicht einige Fallstricke wären. Falls ihr nämlich andere Werke in eurer Arbeit verwendet, z.B. Zitate, Fotos, Bilder oder Videoausschnitte, ist euch dies im wissenschaftlichen Bereich vom Paragraphen 51 UrhG erlaubt (Zitatrecht). Das große ABER hierbei: Das Zitat muss zweckgebunden sein, d.h. in eurer Arbeit müsst ihr euch mit dem Textzitat oder einem bestimmten Bild inhaltlich befasst haben, rein dekorative Zwecke greifen hier nicht. Eine Blumenwiese im Hintergrund eurer Präsentation oder auf dem Titelbild eurer Hausarbeit wird in den meisten Fällen hiervon wohl nicht betroffen sein. Somit greift Paragraph 51 nicht und die Nutzungsrechte kommen ins Spiel.

Fotos und Videos verwenden – Quellenangabe reicht nicht!

Bleiben wir bei dem Blumenwiesenfoto als Beispiel: Ein weit verbreiteter Mythos ist es leider immer noch, dass man Fotos aus dem Internet einfach weiternutzen darf, wenn man die Quelle angibt. Schon seit 2007 sollte aber klar sein, dass dies nicht der Fall ist: Für jedes fremde Werk, welches ihr nutzen wollt, müsst ihr euch von der Urheberin oder dem Urheber ein Nutzungsrecht einräumen lassen. So gab es zahlreiche Abmahnungen, weil Internetnutzer*innen Bilder aus der Google Bildersuchmaschine von einem Online-Kochrezepteanbieter für eigene Rezeptanleitungen auf ihren Webseiten verwendet haben (Artikel: Wie ein Webmaster mit Lebensmittelfotos Kasse macht).

Das Einholen eines Nutzungsrecht kann schriftlich oder auch auf mündliche Art erfolgen. In der Praxis ist es aber ein enorm hoher Aufwand, wenn ihr für jedes Bild oder Video die jeweiligen Urheber*innen persönlich kontaktieren müsst und dann auch noch die genauen Rahmenbedingungen für die Nutzung verhandeln müsst. Den Urherber*innen eines Werk steht es zwar frei, anderen Nutzer*innen die Weiternutzung zu ermöglichen, ohne dass sie um Erlaubnis fragen müssen. Dazu muss der*die Urherber*in einen Hinweis bzw. Rechtstext formulieren, welcher die Nutzungsrechte konkretisiert (Erlaubnis zum Kopieren, zur Veränderung, zur Wiederveröffentlichung, etc.) – für mich und alle von euch, die ohne juristischen Bezug studieren, wohl eher eine „mission impossible“.

Freie Creative Commons-Lizenzen als Retter in der Not

Das Team der Creative Commons Organisation vor einer grünen Wand mit dem Creative Commons Schriftzug in weißer Schrift sowie dem Logo mit der Abkürzung CC
„Creative Commons staff at the Spring 2013“ In Town Week. Foto von David Kindler, Lizenz: CC BY 2.0

Maßgeblich beeinflusst durch den Rechtsprofessor Lawrence Lessig, damals an der Stanford Law School, gründete sich deshalb 2001 die gemeinnützige Organisation Creative Commons gegründet. Mit den Creative Commons Lizenzen ist es für Urherber*innen deutlich einfacher geworden, eigene Werke online zu veröffentlichen und eine Weiternutzung zu ermöglichen, ohne dass um Erlaubnis gefragt werden muss. Ganz wichtig: Freie Lizenzen bedeuten nicht, dass das Urheberrecht an eurem Werk erlischt – ihr bleibt weiter Urheber*in eures Werk und legt lediglich fest, wie andere euer Werk benutzen dürfen.

Über die Creative Commons Lizenzen könnt ihr nun also ein Bild von einer Blumenwiese finden, welches ihr auch rein dekorativ in euren Arbeiten wie Präsentationen oder Hausarbeiten verwenden könnt – unabhängig vom Zitatzweck. Inzwischen haben große Fotoanbieter wie Flickr oder die Google Bildersuchmaschine die Filtermöglichkeit nach freien Lizenzen hinzugefügt. Hierfür müsst ihr den erweiterten Einstellungen nachschauen oder einfach das Tool search.creativecommons.org benutzen.

Wenn alle Nutzungsrechte in eurer Arbeit geklärt sind, dann könnt ihr sie ebenfalls im Internet veröffentlichen, z. B. bei der Datenbank Studierendenwissen – und durch Creative Commons Lizenzen ebenfalls für andere zugänglich und nutzbar machen (Lizenzauswahl-Tool für Creative Commons Lizenzen). Und ganz nebenbei habt ihr dadurch ein freies Lernmaterial erstellt, welches unter dem Schlagwort Open Educational Resources (OER) gesammelt wird.

Wie geht das alles in der Praxis? #COER16

Natürlich ergeben sich für die Praxis noch mehrere Detailfragen. Abhilfe schaffen hier zahlreiche Materialien im Netz, die Facebook-Gruppe zu OER im deutschsprachigen Raum aber auch der heute gestartete Online-Kurs zu Open Educational Resources, welcher die Creative Commons Lizenzen ebenfalls ausführlich behandelt. Der Kurs wird sowohl auf der offene Lernplattform der Fachhochschule Lübeck (mooin) als auch auf der österreichischen Plattform (imoox) durchgeführt. In den Kursforen könnt ihr euch ganz offen mit OER-Neulingen und Expert*innen austauschen und auch eure Fragen stellen.

Viel Spaß im Kurs!

Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel (Text) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Name der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch für studieren.digital. Urheberrechtliche Angaben zu Grafiken, Videos oder anderen verwendeten Inhalten finden sich direkt bei den jeweiligen Inhalten. Titelbild des Beitrags: Matthias Andrasch für studieren.digital, Lizenz: CC-BY 4.0. Verwendete Elemente: Papierflug von Clovis_Cheminot, Lizenz: CC0; Mülltonne von tookapic, Lizenz: CC0; Papierkorb von OpenClipartVectors, Lizenz: CC0;

Weiterführende Informationen:

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